Max-Planck-Direktor wird Fellow der American Physical Society

Ibrahim Cissé wird für seine Leistungen auf dem Gebiet der Physik von US-Amerikanischer Fachgesellschaft geehrt

13. Oktober 2021

Der Max-Planck-Biophysiker Ibrahim Cissé wird von der American Physical Society (APS) geehrt und 2021 zum Fellow der renommierten wissenschaftlichen Gesellschaft ernannt. Die APS ehrt ihre Mitglieder mit der Bezeichnung Fellow, wenn sie bedeutende Leistungen auf dem Gebiet der Physik erbracht haben. Ibrahim Cissé wird für seine wissenschaftlichen Beiträge zur Visualisierung und zum Verständnis der physikalischen Mechanismen der Genexpression ausgezeichnet.

Ibrahim Cissé, Abteilung Biologische Physik am Freiburger MPI für Immunbiologie und Epigenetik

Ibrahim Cissé, Direktor am MPI für Immunbiologie und Epigenetik, ist zum Fellow der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft gewählt. Die Sektion „Biological Physics“ (DBIO) der Fachgesellschaft hatte Cissé nominiert. Die 1899 gegründete wissenschaftliche Gesellschaft spricht von einer bedeutenden Anerkennung der eigenen Fachkolleg:innen aufgrund der herausragenden Beiträge Cissés bei der Aufklärung „physikalischer Mechanismen der RNA-Transkription in lebenden Säugetierzellen mithilfe hochauflösender Mikroskopie, um so Entscheidungen über das Zellschicksal besser zu verstehen.“

„Mein ganzes Team und ich sind absolut begeistert und unglaublich geehrt über diese Anerkennung durch unserer Physik-Fachkolleg:innen in der APS. Die Forschung, die wir betreiben, verlangt von uns, ständig die Grenzen unseres Wissens in der Physik wie auch in der Biologie zu erweitern. Wir freuen uns darauf, weiterhin aktiv in der APS und mit unserer Abteilung für biologische Physik am Max-Planck-Institut in Freiburg mitzuarbeiten,“ sagte Ibrahim Cissé anlässlich des Fellowships.

Der Max-Planck-Direktor, der im September 2021 die neue Abteilung für Biologische Physik am MPI für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg gegründet hat, entwickelt hochauflösende Bildgebungsverfahren, um biophysikalische Prozesse auf der Ebene einzelner Moleküle in lebenden Zellen zu erforschen

Wie Cluster der RNA-Polymerase die RNA-Produktion regulieren

Mit der sogenannten time-correlated Photoactivated Localization Microscopy (tcPALM) können er und sein Team das dynamische Geschehen aufnehmen, das entsteht, wenn eine Zelle Gene von der DNA in mRNA kopiert. Von besonderem Interesse sind die dabei beteiligten Moleküle der RNA-Polymerase II (Pol II). Mithilfe eines durch die Physik, Biologie und Chemie informierten Ansatzes gelang es Cissé in den letzten Jahren, die physikalischen Mechanismen genauer zu bestimmen, die von den Molekülen der Pol II während der Gentranskription genutzt werden.

Die Forscher:innen zeigten, dass die Pol-II-Moleküle Cluster um die Gene bilden, die gerade transkribiert werden. Außerdem zeigten sie, dass sich die beteiligten Proteine durch ein Phänomen verbinden, das als Flüssig-Flüssig-Phasentrennung (Liquid-Liquid Phase Separation, LLPS) bezeichnet wird. Hierbei interagieren die Moleküle miteinander und bilden verschiedene Zell-Kompartimente, ohne dabei Membranen zu benutzen. Die Erkenntnisse des Labors vom Ibrahim Cissé haben nicht nur demonstriert, wie genau die Zelle RNA produziert, sondern geben auch wichtige Impulse zu den allgemeinen Prinzipien, wie Moleküle in der Zelle miteinander interagieren.

Das Fellowship ist eine der höchsten beruflichen Würdigungen, die von der APS an ihre Mitglieder vergeben wird. Seit 1921 wird diese Auszeichnung an Personen verliehen, die durch Forschung und wichtige Publikationen entscheidende Fortschritte in der Physik erzielt oder bedeutende, innovative Beiträge zur Anwendung der Physik in Wissenschaft und Technik geleistet haben. Ausgezeichnet werden ebenso wichtige Beiträge in der Lehre.

Jedes Jahr erhalten weniger als ein halbes Prozent der derzeit 55.000 Mitglieder die besondere Auszeichnung als Fellow der APS.

Über Ibrahim Cissé

Ibrahim Cissé wurde in Niger geboren und schloss 2009 seine Promotion in Physik an der University of Illinois in Urbana-Champaign ab. Nach einem Forschungsaufenthalt als Postdoc an der École Normale Supérieure in Paris kehrte Cissé 2013 in die USA zurück und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter am Janelia Research Campus des Howard Hughes Medical Institute in Ashburn, Virginia. Im Jahr 2014 wechselte er an das Massachusetts Institute of Technology in Boston, wo er zunächst Assistant Professor im Fachbereich Physik war und ab 2019 Associate Professor (mit tenure) in Physik und einer gemeinsamen Berufung in Biologie. Ibrahim Cissé kam 2021 vom California Institute of Technology in Pasadena, wo er zum Professor für Physik ernannt wurde, an das MPI für Immunbiologie und Epigenetik nach Freiburg. Er leitet die Abteilung für Biologische Physik. Ibrahim Cissé hat zahlreiche wissenschaftliche Auszeichnungen erhalten, darunter erst kürzlich den Vilcek Prize for Creative Promise in Biomedical Science 2021 sowie den „Genius-Award 2021“ der MacArthur-Stiftung.

Die Amerikanische Physikalische Gesellschaft

Die American Physical Society (APS, dt.: Amerikanische Physikalische Gesellschaft) ist eine gemeinnützige Organisation und amerikanische Fachgesellschaft mit dem Ziel, das Wissen der Physik durch Forschungszeitschriften, wissenschaftliche Tagungen, Bildungsinitiativen, Öffentlichkeitsarbeit, Interessenvertretung und internationale Aktivitäten zu fördern und zu verbreiten. Die APS vertritt über 55.000 Mitglieder, darunter Physiker:innen an Hochschulen, in nationalen Laboren und in der Industrie – sowohl in den Vereinigten Staaten als auch auf der ganzen Welt. Das APS Fellow-Archiv gibt Auskunft über das Fellowship-Programm und enthält auch eine vollständige Liste der APS-Fellows des Jahres 2021.

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