Ibrahim Cissé wird mit „Genius Award“ 2021 ausgezeichnet

Max-Planck-Forscher wird mit MacArthur-Fellowship geehrt für innovative Wege bei der Sichtbarmachung zellulärer Prozess bei der Genregulation

29. September 2021

Ibrahim Cissé ist zum MacArthur Fellow 2021 ernannt worden. Damit erhält der Max-Planck-Direktor aus Freiburg großzügige Fördermittel, um seine innovative Forschung zu erweitern. Cissé und sein Labor entwickeln hochauflösenden Bildgebungsverfahren, um die Funktionen einzelner Moleküle und Molekülgruppen in lebenden Zellen zu untersuchen. Das Cissé-Labor, das erst vor kurzem an das MPI Freiburg gewechselt ist, ist so in der Lage, auch zeitlich begrenzte und nur lose verbundene Gruppen von Biomolekülen mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung zu erforschen. Die Untersuchungen sind in der Lage unser Verständnis darüber verbessern, wie Genregulation und -expression Eiweiße in Zellen produzieren.

Ibrahim Cissé, Abteilung für Biologische Physik am Freiburger Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik.

Ibrahim Cissé, Biophysiker und neuer Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik, erhält ein MacArthur Fellowship. Diese oft als „Genius Awards“ bezeichneten Stipendien werden jährlich von der John D. und Catherine T. MacArthur Foundation an begabte Personen aus verschiedenen Bereichen vergeben. Dazu zählen nicht nur Wissenschaftler:innen, sondern auch Künstler:innen oder Unternehmerinnen.

Das Stipendium ist eine außergewöhnliche Anerkennung, die sich in einer mit 625.000 Dollar (≈ 550.000 Euro) dotierten, an keine Bedingung geknüpften Förderung widerspiegelt. Die Stipendiat:innen können die finanzielle Unterstützung nutzen, um ihr Fachwissen zu erweitern, gewagte Projekt im Rahmen ihre Arbeite durchzuführen oder, wenn sie es wünschen, das Fachgebiet zu wechseln, um die Entwicklung ihrer Karriere zu ändern, erklärt die MacArthur-Stiftung.

„Ich bin überwältigt, geehrt und voller Demut, zum MacArthur Fellow ernannt zu werden. Der Wissenschaftler ist derjenige, zu dem ihn seine Gemeinschaft macht. Mein Dorf sind meine Studierenden, Praktikanten, Mentoren, Kollegen, Mitarbeiter, Freunde, Familie und auch Fremde. Was für eine unglaubliche Ehre...“, sagte Ibrahim Cissé.

Die MacArthur-Stiftung wählt die Stipendiatinnen und Stipendiaten auf der Grundlage von Empfehlungen externer Nominierender aus den unterschiedlichsten Bereichen aus, die mit ihrem Fachwissen innovative Führungspersönlichkeiten empfehlen, die möglicherweise kurz vor einer großen Entdeckung oder einer bahnbrechenden Idee stehen.

Erforschung der Genregulation

Mit seinem innovativen Ansatz, Physik, Chemie und Biologie in einer Abteilung bzw. einem Labor zu vereinen, verschiebt Ibrahim Cissé nach Ansicht der Stiftung schon heute die Grenzen hochauflösender, bildgebender Verfahren sowie Methoden quantitativer Mikroskopie. Seine Arbeit liefert nicht nur überraschende Einblicke in die dynamischen Prozesse der Genregulation, sondern ermöglicht auch die zukünftige Erforschung sogenannter biologischer Kondensate.

Unter anderem konnten Cissé und sein Team durch die Modifikation bestehender hochauflösender Bildgebungsverfahren zeigen, dass die RNA-Polymerase II, ein Schlüsselmolekül, das die genetische Information von der DNA in mRNA umschreibt, vorübergehende Molekül-Cluster an bestimmten Genorten bildet. Außerdem entdeckten sie, dass die Dauer des RNA-Polymerase-Clusters die Anzahl der anschließend gebildeten mRNA-Moleküle vorhersagen kann.

Ibrahim Cissé, Biological Physicist | 2021 MacArthur Fellow

MacArthur-Fellow Ibrahim Cissé entwickelt Mikroskope zur Untersuchung subzellulärer Prozesse, die der genetischen Regulierung und Fehlfunktion zugrunde liegen.
In weiteren Studien gelang es Cissé mehr über die biophysikalischen Mechanismen zu erfahren, die von der RNA-Polymerase II genutzt werden. Er und sein Team wiesen nach, dass die Polymerase-Cluster alle charakteristischen Merkmale biomolekularer Kondensate aufweisen, die durch ein Phänomen namens Phasenseparation gebildet werden. Dabei werden flüssige Zellkomponenten ganz ohne Membranen voneinander getrennt bzw. „entmischt“, um unterschiedliche Strukturen zu bilden – ähnlich wie sich Öltropfen in Wasser verhalten. Die Phasentrennung hat sich in jüngster Zeit als umfassendes Prinzip der zellulären Organisation erwiesen, das vielen biologischen Prozessen zugrunde liegt.

Die Stiftung hebt hervor, dass Ibrahim Cissé mit seinen richtungsweisenden Innovationen in der hochauflösenden Einzelmolekül-Mikroskopie und seinen umfassenden Untersuchungen biophysikalischer Prozesse in der Zelle unser Verständnis der Regulation der Genexpression geprägt hat. Die Ergebnisse seines Teams bereichern zudem die Erforschung biologischer Kondensate, die für das Verständnis von Krebs oder neurodegenerativen Krankheiten wie Parkinson entscheidend sein könnten.

In diesem Jahr werden 25 neue MacArthur-Stipendiaten für ihre außergewöhnliche Originalität und ihr Engagement ausgezeichnet. Das Stipendium für Ibrahim Cissé ist erst das zweite Mal, dass diese außergewöhnliche Auszeichnung an einen Forschenden der Max-Planck-Gesellschaft geht, nach Kirsten Bomblies (ehemals MPI für Entwicklungsbiologie, Tübingen) im Jahr 2008.


Über Ibrahim Cissé

Ibrahim Cissé wurde in Niger geboren und schloss 2009 seine Promotion in Physik an der University of Illinois in Urbana-Champaign ab. Nach einem Forschungsaufenthalt als Postdoc an der École Normale Supérieure in Paris kehrte Cissé 2013 in die USA zurück und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter am Janelia Research Campus des Howard Hughes Medical Institute in Ashburn, Virginia. Im Jahr 2014 wechselte er an das Massachusetts Institute of Technology in Boston, wo er zunächst Assistant Professor im Fachbereich Physik war und ab 2019 Associate Professor (mit tenure) in Physik und einer gemeinsamen Berufung in Biologie. Ibrahim Cissé kommt vom California Institute of Technology in Pasadena, wo er 2021 zum Professor für Physik ernannt wurde, an das MPI für Immunbiologie und Epigenetik nach Freiburg. Er leitet die Abteilung für Biologische Physik. Ibrahim Cissé hat zahlreiche wissenschaftliche Auszeichnungen erhalten, darunter erst kürzlich den Vilcek Prize for Creative Promise in Biomedical Science 2021.

Die MacArthur-Stiftung

Die John D. und Catherine T. MacArthur Foundation ist eine der größten Stiftungen in den USA und unterstützt kreative Köpfe, erfolgreiche Institutionen und einflussreiche Organisationen, um eine gerechtere, nachhaltiger und friedlichere Welt zu schaffen. Das MacArthur Fellows Program der Stiftung wurde 1981 ins Leben gerufen und fördert talentierte Persönlichkeiten mit einem Stipendium von 625.000 Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren. Das Stipendium wird als Investition in die Originalität, die Fähigkeiten und das Potenzial der Preisträger:innen verstanden. Hauptkriterien für die Auswahl sind außergewöhnliche Kreativität, die Aussicht auf weitere Fortschritte basierend auf Grundlage bereits geleisteter Erfolg sowie ein vorhandenes Potenzial, mit dem Stipendium die zukünftige Arbeit fördern zu können. Ziel des MacArthur Fellowships ist es, die Stipendiaten in die Lage zu versetzen, ihren eigenen kreativen Instinkt zum Wohle der Gesellschaft einzusetzen. Stipendiaten können Schriftsteller, Wissenschaftler, Künstler, Geisteswissenschaftler, Lehrer oder Unternehmer sein. Jedoch müssen sie amerikanische Staatsbürger sein oder ihren Wohnsitz in den Vereinigten Staaten haben.

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