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Offizielle Pressemitteilung des Europäischen Forschungsrats

EU invests €540 million to boost cutting-edge research

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Ein einziger Faktor setzt das Immunsystem von Mäusen auf einen Zustand zurück, der vermutlich vor etwa 500 Millionen Jahren existierte.

Ur-Wirbeltiere mit anpassungsfähigem Immunsystem

2. Februar 2011

Wichtiges Organ unseres adaptiven Immunsystems ist weiter verbreitet als angenommen: Max-Planck-Forscher zeigen Thymus-ähnliche Strukturen am primitiven Neunauge.
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Thomas Boehm und „Die Schule der T-Zellen“

ERC Grant für Freiburger Max-Planck Direktor

Thomas Boehm erhält einen zweiten ERC Advanced Grant

28. März 2019

Mit den ERC Advanced Grants unterstützt die Europäische Union langfristig angelegte Forschungsprojekte, die sich durch ambitionierte Ideen, unkonventionelle Methoden und Pioniergeist auszeichnen. In der jüngsten Vergaberunde konnte der Immunologe Thomas Boehm nun bereits seinen zweiten ERC Advanced Grant einwerben. Gemeinsam mit seiner Forschungsgruppe am Freiburger Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik (MPI-IE) erforscht er grundlegende Mechanismen des Immunsystems. Im neuen Forschungsvorhaben, das jetzt mit 2,5 Millionen Euro gefördert wird, sollen Eigenschaften der Immunsysteme stammesgeschichtlich unterschiedlicher Wirbeltiere vergleichend untersucht werden. Das Ziel ist es dabei, gemeinsame Gestaltungsprinzipien der adaptiven Immunität bei den Wirbeltieren zu identifizieren. Mit den Ergebnissen erhoffen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen ganz neuen Blick auch auf die Immunfunktionen des Menschen.

Abb. 1 Dr. Thomas Boehm, Direktor für „Entwicklung des Immunsystems“ am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik, Freiburg. Bild vergrößern
Abb. 1 Dr. Thomas Boehm, Direktor für „Entwicklung des Immunsystems“ am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik, Freiburg. [weniger]

Zellen des adaptiven Immunsystems schützen den Körper vor Krankheitserregern wie Viren und Bakterien. Diese Immunantwort fußt auf einen ausgeklügelten Mechanismus, bei dem hochspezialisierte T- und B-Lymphozyten Schädlinge gezielt erkennen und vernichten. Gleichzeitig bilden diese Zellen auch ein immunologisches Gedächtnis aus, um bei einem erneuten Befall schneller auf die bereits bekannten Krankheitserreger reagieren zu können. 

Forschen am immunologischen Urknall 

Forschungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass alle Wirbeltiere einen schlagkräftigen und lernfähigen Abwehrmechanismus besitzen. „Heute wissen wir jedoch, dass sich die adaptive Immunität im Laufe der Evolution interessanterweise mindestens zweimal unabhängig voneinander entwickelt haben muss,“ sagt Thomas Boehm, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik. So sehr sich die molekularen Details der Immunsysteme der zwei Schwestergruppen der Wirbeltiere, der sogenannten Rundmäuler auf der einen Seite und der Kiefermäuler – zu den Haie ebenso gehören wie Menschen – auf der anderen unterscheiden, die allgemeinen Gestaltungsprinzipien der beiden Systeme scheinen überraschend ähnlich zu sein.

So verfügen bereits die entwicklungsgeschichtlich alten Rundmäuler, wie Neunaugen über zwei unterschiedliche Lymphozytenlinien, die T- und B-Zellen ähneln. Wie in der Schwestergruppe entwickeln sich diese Zelltypen zudem in funktionell äquivalenten Organstrukturen. 

Evolutionär fundierter Forschungsansatz

„Dass sich vor etwa 500 Millionen Jahren in diesen beiden verwandten Gruppen von Wirbeltieren unabhängig voneinander alternative Formen der adaptiven Immunität entwickelt haben, ist ein eindrucksvolles Beispiel für konvergente Evolution. So haben wir die einzigartige Möglichkeit, die Natur dabei zu beobachten, welche Strategien sie gewählt hat, um adaptive Immunität in den Organismen zu realisieren,“ sagt Thomas Boehm. Damit ist auch der evolutionär fundierte Forschungsansatz des Freiburger Immunologen umrissen, der Gemeinsamkeiten zwischen urzeitlichen Kreaturen wie dem Neunauge und Säugetieren wie Mäusen und Menschen identifizieren will. Die Aufdeckung solcher Gemeinsamkeiten verspricht nicht nur, unser Verständnis des Immunsystems von Säugetieren zu verbessern, sondern könnte auch eine Inspirationsquelle für neue medizinische Therapieansätze sein.

Gemeinsame Prinzipien der adaptiven Immunität aller Wirbeltiere

Die Komponenten und Funktionen des Immunsystems bei Menschen und Mäusen sind gut erforscht. In dem nun vom Europäischen Forschungsrat geförderten Projekt will die Arbeitsgruppe von Thomas Boehm in Freiburg den molekularen Grundlagen der adaptiven Immunität des Neunauges auf die Spur kommen. „Unsere Experimente befassen sich mit der Entwicklung und den Funktionen wichtiger T-Zelllinien, wir blicken in die Organstrukturen, in denen sich diese Zellen entwickeln, studieren die Mechanismen, die einer effektiven Qualitätskontrolle gegen Selbstreaktivität zugrunde liegen und wollen so eine groß angelegte genetische Analyse der zellulären Immunität von Neunaugen vornehmen,“ erläutert Thomas Boehm.

Mit dem Blick auf die molekularen Grundlagen des Immunsystems bei Neunaugen schließen die Max-Planck-Forscherinnen und Forscher eine wichtige Lücke in ihrer evolutionären Rundumschau, bei der sie schon Genom- und Expressionsanalysen von Lanzettfischchen, Haien, Zebrafischen, Mäusen und Menschen miteinander verglichen. So soll es gelingen, gemeinsame Gestaltungsprinzipien der adaptiven Immunität bei Wirbeltieren zu identifizieren. „Wir erwarten dadurch auch einen tiefen Einblick in die Immunfunktionen des Menschen, der auch zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien bei Patienten mit Immunschwäche oder Autoimmunerkrankungen führen könnte,” so Thomas Boehm.

  • ERC-Projekttitel: Towards identification of the unifying principles of vertebrate adaptive immunity (ImmUne)
  • Mehr zu Thomas Boehms Forschung: Laborwebsite

 

ERC Advanced Grants

Die Förderstruktur des Europäischen Forschungsrates im Einzelnen. Bild vergrößern
Die Förderstruktur des Europäischen Forschungsrates im Einzelnen.

Die ERC Advanced Grants gehören zu den wichtigsten Förderinstrumenten der Europäischen Union und werden an etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachbereiche vergeben, deren hochinnovative Forschung erheblich über den bisherigen Forschungsstand hinausgeht und neue Forschungsgebiete erschließt. Die Auszeichnung wird dabei durch den Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) an herausragende Forschende aus aller Welt vergeben, die an einer europäischen Forschungsinstitution arbeiten.

Im aktuellen Wettbewerb 2019 erhielten  222 europäische Forscherinnen und Forscher eine Förderung durch den ERC, was bei 2052 eingegangenen Anträgen einer Erfolgsquote von ca. 11 % entspricht. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) war in dieser Zuwendungsrunde unter den erfolgreichsten Institutionen in Deutschland. Acht ERC Advanced Grants gingen an Forschende der MPG. Sie erhalten jeweils bis zu 2,5 Millionen Euro über eine Laufzeit von fünf Jahren für ihre Forschungsprojekte.

Die ERC-Förderung 2019 für Thomas Boehm ist bereits der zweite ERC Advanced Grant in der Karriere des Freiburger Immunologen. Schon 2014 konnte sich ein Projekt, das sich der Aufklärung genetischer Netzwerke widmete, die bei der Entwicklung und Funktion von Thymuszellen wesentlich sind, im hochkompetitiven Wettbewerb des Europäischen Forschungsrats durchsetzen. Mit dem ERC Advanced Grant 2019 für Thomas Boehm geht nun bereits die 12. ERC-Förderung an das MPI-IE nach Freiburg, darunter die zwei Advanced Grants für Thomas Boehm sowie vier Consolidator Grants und sechs Starting Grants für weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts.

 

Biographie: Thomas Boehm

Thomas Boehm studierte Humanmedizin an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main mit Studienaufenthalten an der Columbia University in New York und am Royal Marsden Hospital in London. 1982 promovierte Thomas Boehm in Frankfurt, wo er sich im Jahr 1988 auch habilitierte. Einer fünfjährigen Tätigkeit am MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge folgten eine Professur für Medizinische Molekularbiologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und eine Professur für Experimentelle Therapie am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. Seit Januar 1998 ist er Direktor des Arbeitsbereichs Entwicklung des Immunsystems am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg und Honorarprofessor an der Medizinischen Fakultät der dortigen Universität. Thomas Boehm ist gewähltes Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften, unter anderem der European Molecular Biology Organization, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sowie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Im Januar 2018 übernahm er zudem den Vorsitz des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung. Thomas Boehm wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderen mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis und dem Ernst Jung-Preis für Medizin.

 
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