Asifa Akhtar mit Christa Šerić-Geiger Preis 2022 geehrt

Die Geiger Stiftung zeichnet Freiburger Max-Planck-Direktorin aus

4. März 2022
Asifa Akhtar erhält den Christa Šerić-Geiger Preis 2022. Die von der Carl-Friedrich Geiger Stiftung aus Kehl ausgelobte Auszeichnung ehrt jährlich Frauen, die sich auf herausragende Weise in Wissenschaft, Bildung, Kultur, in sozialen Belangen oder für die Gleichstellung verdient gemacht haben. Die Direktorin am Freiburger MPI für Immunbiologie und Epigenetik wird für ihre Forschungen zur Genomregulierung ausgezeichnet.

„Als erfolgreiche Forscherin und Wissenschaftsmanagerin ist Asifa Akhtar wie zugeschnitten für diesen Preis“, so der Stiftungsvorsitzende Fadil Šerić. Die Freiburger Max-Planck-Direktorin und Vizepräsidentin der Max-Planck-Gesellschaft erhält die mit 20.000 Euro dotierten Auszeichnung für ihre wissenschaftlichen Leistungen auf dem Feld Genomregulierung.

Asifa Akhtar und ihr Team erforschen Mechanismen der Epigenetik. Diese wirken zusätzlich zu den Genen in den Zellen und sind in der Lage, die Genexpression fein abzustimmen. Epigenetischen Mechanismen, wie etwa die Histon-Acetylierung, modulieren dabei die Chromatinstruktur, also die Verpackung des genetischen Materials im Zellkern, und bestimmen so die Zugänglichkeit genetischer Informationen. Sie sind von wesentlicher Bedeutung für die Embryonalentwicklung sowie für Reaktionen auf Umwelteinflüsse wie Stress oder Ernährung.

Ein Schwerpunkt des Labors liegt in der Erforschung der Expression von Genen auf dem X-Chromosom während der sogenannten Dosiskompensation. Dieser Ausgleichsmechanismus ist entscheidend dafür, dass trotz einer unterschiedlichen Anzahl von X-Chromosomen beider Geschlechter, Männchen (XY) und Weibchen (XX) die gleiche Menge der auf den X-Chromosomen kodierten Gene ablesen. Läuft bei diesem Prozess etwas schief, können schwere zelluläre Defekte auftreten. Welche Schlüsselfaktoren für die Dosiskompensation notwendig sind, wie sie interagieren und ob sie noch zusätzliche Funktionen besitzen, wurde in zahlreichen Studien in der Fruchtfliege Drosophila, im Mausmodell und im Menschen durch das Labor von Asifa Akhtar aufgeklärt.

Forschung zu seltenen Erkrankungen

Die medizinische Relevanz dieser Grundlagenforschung zeigte sich in der Aufklärung einer sehr seltenen Krankheit. Vorwiegend junge Patientinnen und Patienten leiden dabei an Entwicklungsstörungen sowie fortschreitenden neurologischen Fehlfunktionen. Analysen im Labor von Asifa Akhtar konnten die genauen biologischen Ursachen sowie beteiligten Faktoren der heute als „Basilicata-Akhtar-Syndrom“ bekannten Krankheit verstehen. Vorwissen aus zahlreichen Studien in Fliegen und Mäusen waren dafür entscheidend.

Asifa Akhtar ist 2022 die zweite Preisträgerin. Sie erhält den Preis für ihre Leistungen in der biomedizinischen Forschung. Damit folgt sie der Tübinger Notärztin Dr. Lisa Federle, die im Vorjahr durch die Stiftung ausgezeichnet wurde.

Die Preisverleihung findet am 4. März 2022 im Kehler Kulturhaus statt.

Kurze Videozusammenfassung der Preisverleihung

Christa Šerić-Geiger Preis 2022

Kurze Videozusammenfassung der Preisverleihung

Weitere Bilder der Veranstaltung

Biografie Asifa Akhtar

Asifa Akhtar, geboren 1971 in Pakistan, erlangte ihren Bachelor in Biologie am University College London (UCL) 1993 und promovierte 1998 am Imperial Cancer Research Fund, London. Dort erforschte sie die Mechanismen der Genregulation. In ihrer nächsten beruflichen Station befasste sie sich als Postdoktorandin am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL), Heidelberg, und dem Adolf Butenandt-Institut, München, mit Fragen der Chromatinregulierung. Ab 2001 führte sie ihre eigene Forschungsgruppe am EMBL. Im Jahr 2009 wechselte sie mit ihrem Labor nach Freiburg an das Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik (MPI-IE). 2013 wurde sie dort zur Direktorin des MPI-IE ernannt und leitet seitdem die Abteilung für Chromatinregulierung. Asifa Akhtar erhielt 2008 die Auszeichnung der European Life Science Organization (ELSO) und wurde 2013 zum EMBO Mitglied und 2019 zum Mitglied Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt. Seit 2020 ist Asifa Akhtar Vizepräsidentin der Biologisch-Medizinischen Sektion der Max-Planck-Gesellschaft.

Der Christa Šerić-Geiger Preis und die Carl Friedrich Geiger Stiftung

Die Carl-Friedrich Geiger Stiftung in Kehl wurde im Jahr 2006 von Christa Šerić-Geiger gegründet. Die Gründerin wollte damit das Andenken an ihren Vater Carl-Friedrich Geiger und dessen unternehmerisches Lebenswerk bewahren. Zugleich verfolgt die Stiftung das Ziel, der Gesellschaft, der Region und der Stadt Kehl „etwas zurückzugeben“, in dem die Stiftung Organisationen in Wissenschaft, Bildung, Kunst und Kultur, Medizin, Tierschutz und Gleichstellung unterstützt. Seit 2021 vergibt die Carl-Friedrich Geiger Stiftung den nach der Stiftungsgeberin benannten Christa Šerić-Geiger Preis. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt Frauen, die sich auf herausragende Weise in Wissenschaft, Bildung, Kultur, in sozialen Belangen oder für Gleichstellung verdient gemacht haben. Der Preis wird jährlich verliehen.

Weitere interessante Beiträge

Zur Redakteursansicht