ERC Starting Grant für Tim Lämmermann

21. November 2016
Tim Lämmermann, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg (MPI-IE) erhält eines der renommierten „ERC Starting Grants“ 2016 des Europäischen Forschungsrates (ERC). Mit den Starting Grants ehrt der ERC ausgewählte und exzellente Nachwuchswissenschaftler in ganz Europa. Die Finanzierung soll es ihnen ermöglichen, ihre Forschungsgruppen aufzubauen und unabhängig sowie langfristig innovative Forschungsprojekte zu verfolgen.
Abb. 1 Dr. Tim Lämmermann

Tim Lämmermann ist seit 2015 Gruppenleiter am MPI-IE. Mit seiner Forschungsgruppe forscht er an Zellen des angeborenen Immunsystems. Das Team möchte herausfinden, wie diese miteinander interagieren, um eine effektive Immunantwort im entzündeten oder infizierten Gewebe sicherstellen zu können. Obwohl viele unterschiedliche Immunzellen des Körpers, ihre Funktionen sowie entscheidende Signalsubstanzen bereits gut charakterisiert sind, ist in vielen Fällen noch unklar, wie genau die Immunzellen sich in entzündeten Geweben koordinieren, um letztlich die Ausbreitung von eindringenden Krankheitserregern zu verhindern. Jetzt hat der Immunologe eines der begehrten „ERC Starting Grants“ des Europäischen Forschungsrates (European Research Council, kurz ERC) erhalten. Damit wird es Tim Lämmermann möglich sein, seine Forschungen zu inter- und intrazellulären Immunzelldynamiken am MPI-IE in Freiburg in den nächsten 5 Jahren weiter voranzutreiben.

„Ich bin bereits seit meiner Zeit als Doktorand fasziniert von diesem speziellen Forschungsgebiet. Es ist erstaunlich, dass wir noch immer so wenig über die Dynamiken und Koordination der verschiedener Immunzelltypen an Orten der Gewebsentzündung in unserem Körper wissen,“ sagt Tim Lämmermann.

Während seiner Zeit als Post-Doc an den National Institutes of Health (NIH) in den USA forschte Tim Lämmermann an neutrophilen Granulozyten. Dabei handelt es sich um spezielle Fresszellen, die Krankheitserreger verschlingen und somit abtöten können. Während seiner Untersuchungen machte er den unerwarteten Befund, dass diese Fresszellen miteinander kommunizieren. Dadurch sind sie in der Lage, koordinierte und selbstorganisierte Zellschwärme zu bilden, die es den Zellen während einer Infektion ermöglichen, gemeinsam gegen eindringende Krankheitserreger vorzugehen (vgl. Abb. 2).

Abb. 2 Echtzeit-Aufnahmen aus einem entzündeten Gewebe mittels Zwei-Photonen-Mikroskopie. Spezielle Fresszellen der angeborenen Immunantwort, sogenannte Neutrophile (rot), bilden am Ort einer lokalen Hautwunde (Kollagenfasern des Bindegewebes, grau) innerhalb von Minuten große Schwärme. Auf der rechten Seite sind die Bewegungsverläufe der einzelnen Zellen dargestellt.

Basierend auf diesen Studien haben er und sein Team nun in Freiburg begonnen, die Mechanismen der Fresszellschwärme genauer zu untersuchen und ihre konkrete Rolle bei Entzündungen und infektiösen Krankheiten aufzuklären. „Nicht nur Fresszellen, sondern auch andere Immunzellen zeigen schwarmartiges Verhalten. Deshalb versuchen wir in unserer aktuellen Arbeit, die Grundmechanismen von Immunzellen-Schwärmen zu verstehen, um so die funktionelle Rolle dieser Schwarmbildungen bei Immunantworten beschreiben zu können,” sagt Tim Lämmermann.

Der Europäische Forschungsrat erteilte nun die Förderzusage für Lämmermanns umfangreichen Forschungsvorschlag „Innate immune cell swarms – Integrating and Adapting Single Cell and Population Dynamics in Inflamed and Infected Tissues“. Die Zuwendung bietet ihm und seinem Team nun die große Chance, die grundlegenden Mechanismen des Immunzellschwarmbildung eingehend zu erforschen. Mit den dadurch gewonnenen neuen Erkenntnissen hoffen die Forscher auch neue therapeutische Strategien zur Regulierung von Immunzellen während einer Entzündung oder Infektion entwickeln zu können.

ERC Starting Grants

Mit den begehrten ERC Starting Grants, die einmal im Jahr vergeben werden, würdigt und unterstützt die Europäische Union Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die bereits mit exzellenten Leistungen auf sich aufmerksam machen konnten. Die Auszeichnung wird durch den European Research Council (ERC) an herausragende junge Wissenschaftler aus aller Welt vergeben, die an einer europäischen Forschungsinstitution arbeiten und deren Promotion zwei bis etwa sieben Jahre zurückliegt. 2016 erhielten 325 junge europäische Forscher eine Förderung durch den ERC, was bei über 3000 eingegangenen Anträgen einer Erfolgsquote von ca. 11% entspricht. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) war in dieser dritten Zuwendungsrunde die erfolgreichste Institution in Deutschland. Zwölf ERC Starting Grants gingen an Wissenschaftler der MPG. Sie erhalten jeweils bis zu 1,5 Millionen Euro über eine Laufzeit von fünf Jahren für ihre Forschungsprojekte.

Die ERC-Förderung für Tim Lämmermann belegt zum wiederholten Male den Status des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie und Epigenetik, Freiburg als Standort für europäische Spitzenforschung. Es ist nach den ERC Advanced Grants für Thomas Boehm (2012) und Michael Reth (2012) sowie den ERC Starting Grants für Robert Schneider in 2007, Andrew Pospisilik in 2011 sowie Patrick Heun in 2012 und einem ERC Consolidator Grant für  Andrew Pospisilik in 2015 bereits die siebente Auszeichnung des Europäischen Forschungsrats für Wissenschaftler des Instituts.

Zur Person

Tim Lämmermann studierte von 1999 bis 2004 Molekulare Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg sowie der Lund University in Schweden. Zwischen 2004 und 2009 promovierte er am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried. Seine Promotionsarbeit mit dem Thema „The role of integrins and cytoskeletal forces in interstitial leukocyte migration“ (2009) wurde mit dem Otto-Westphal-Promotionspreis der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI) ausgezeichnet. Im Folgenden forschte Tim Lämmermann als Post-Doc am National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda (USA). Im dortigen Labor für Systembiologie arbeite er an den Mechanismen von Neutrophilen-Schwärmen während Infektionen und Entzündungen. Für dieser Arbeit wurde 2014 mit dem Postdoktoranden-Preis für Immunologie der Robert-Koch-Stiftung ausgezeichnet. Seit Januar 2015 ist Tim Lämmermann Leiter der Max-Planck-Forschungsgruppe „Immune Cell Dynamics“ am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg.

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